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<title>Methanquelle</title>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p>Als <b>Methanquellen</b> (englisch <i><a href="Cold_seeps" class="mw-redirect" title="Cold seeps">cold seep</a></i>) werden in erster Linie Stellen am <a href="Tiefsee" title="Tiefsee">Tiefseeboden</a> bezeichnet, an denen <a href="Methan" title="Methan">methan</a>reiches Wasser austritt. Dies kann sowohl langsam als auch explosionsartig geschehen. Durch den bakteriellen Abbau des Methans kommt es an diesen Stellen oft zur Fällung von <a href="Kalkstein" title="Kalkstein">Kalk</a>. Dieser Kalk kann Krusten auf dem Ozeanboden bilden, abwärts ins Sediment hineinwachsen oder sich über die Sedimentoberfläche erheben. Eine weitere Erscheinungsform von Methanquellen sind untermeerische <a href="Schlammvulkan" title="Schlammvulkan">Schlammvulkane</a>. Oft leben Gemeinschaften hochspezialisierter Tiere an Methanquellen, die sich über die Chemosynthese das Methan als Nahrungsgrundlage zunutze machen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Vorkommen">Vorkommen</h2></div>
<p>Methanquellen kommen weltweit an den Rändern der Kontinente vor, meist am <a href="Kontinentalhang" title="Kontinentalhang">Kontinentalhang</a> unterhalb 200 Meter Wassertiefe. Besonders häufig sind sie an geologischen Schwächezonen, an denen methanhaltiges Wasser aufsteigen kann.
Dazu gehören <a href="Geologische_St%C3%B6rung" class="mw-redirect" title="Geologische Störung">tektonische Störungen</a>, Salzdome und Hangrutsche. Die ersten Methanquellen mit ihrer hochspezialisierten Tierwelt wurden 1984 am nördlichen Kontinentalhang des Golfes von Mexiko vor den Küsten Floridas und Louisianas entdeckt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Tierwelt">Tierwelt</h2></div>
<p>Im Gegensatz zum allgemein sehr dünn besiedelten Tiefseeboden stellen viele Methanquellen Oasen dar, die dicht mit Lebewesen besiedelt sind. Die hier lebende Tierwelt ist hochspezialisiert und gut an die extremen Bedingungen der Methanquellen angepasst. Über 80 % der hier vorkommenden Arten sind <a href="Endemisch_(Biologie)" class="mw-redirect" title="Endemisch (Biologie)">endemisch</a>. Besonders häufig sind Röhrenwürmer und Muscheln, die mit chemotrophen Bakterien in <a href="Symbiose" title="Symbiose">Symbiose</a> leben. Diese Bakterien können Methan und Schwefelwasserstoff mittels der <a href="Chemotrophie" title="Chemotrophie">Chemosynthese</a> (<i>Chemotrophie</i>) in organische Verbindungen umwandeln, welche den Tieren als Nahrungsgrundlage dienen. Neben den charakteristischen Röhrenwürmern und Muscheln kommen Schnecken, Krebse, Garnelen, Seeanemonen, Fische und Kleinstlebewesen wie Nematoden vor. Diese Biotope sind denen an <a href="Black_Smoker" class="mw-redirect" title="Black Smoker">„Schwarzen Rauchern“</a> sehr ähnlich und werden teils von den gleichen Arten bewohnt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Röhrenwürmer_(Familie_Siboglinidae)"><span id="R.C3.B6hrenw.C3.BCrmer_.28Familie_Siboglinidae.29"></span>Röhrenwürmer (Familie Siboglinidae)</h3></div>
<dl><dd>Der Röhrenwurm <i>Lamellibrachia</i> kommt an den Methanquellen im Golf von Mexiko zu Hunderttausenden vor. Diese Tiere haben ihren Magen völlig reduziert und durch das Thecosom ersetzt, einen Eingeweidesack, der Schwefelbakterien beherbergt. Die Bakterien werden über ein ausgedehntes Wurzelwerk mit Schwefelwasserstoff aus dem Boden versorgt, Sauerstoff nimmt das Tier über seine Kiemen auf. <i>Lamellibrachia</i> wächst etwa einen Zentimeter pro Jahr und kann bis zu 250 Jahre alt werden.</dd></dl>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Die_Muschel_Calyptogena">Die Muschel <i>Calyptogena</i></h3></div>
<dl><dd>Die Muschel <i>Calyptogena</i> und Muscheln, aus der Familie der <i>Vesicomyidae</i> (Ordnung <a href="Venerida" title="Venerida">Venerida</a>), haben ihre Mägen ebenfalls fast vollständig reduziert. Ihre stark vergrößerte Kieme beherbergt Schwefelbakterien. Die Aufnahme von Schwefelwasserstoff geschieht über ihren verlängerten Fuß, den sie tief in das Sediment hineinsteckt. Sauerstoff wird aus dem Wasser mittels eines <a href="Sipho_(Organ)" title="Sipho (Organ)">Siphos</a> aufgenommen. <i>Calyptogena</i> kommt weltweit in Wassertiefen ab 100 Metern an Methanquellen, Schwarzen Rauchern und <a href="Walsturz" title="Walsturz">Walstürzen</a> vor, und kann eine Länge von bis zu 25 cm erreichen.</dd></dl>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Miesmuscheln_(Bathymodiolinae)"><span id="Miesmuscheln_.28Bathymodiolinae.29"></span>Miesmuscheln (Bathymodiolinae)</h3></div>
<dl><dd>Die Arten der Miesmuschel-Gattung <i><a href="Bathymodiolus" title="Bathymodiolus">Bathymodiolus</a></i> sind in der Lage, sowohl Schwefel-, als auch Methan-Bakterien zu beherbergen, die in den Kiemen leben. Methan und Schwefelwasserstoff werden mittels eines Siphon aus dem Meerwasser aufgenommen. Allerdings haben die <i>Bathymodiolus</i>-Arten ihre Mägen nicht vollständig reduziert, sondern können zusätzlich Nahrungspartikel aus dem Wasser herausfiltern. Die <i>Bathymodiolus</i>-Arten kommen in Wassertiefen zwischen 630 und 3500 Metern, an Methanquellen und Schwarzen Rauchern vor, und erreichen eine Gehäuselänge von bis zu 30 cm.</dd></dl>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Fossilien">Fossilien</h2></div>
<p>Fossile Überreste von Methanquellen können durch <a href="Plattentektonik" title="Plattentektonik">plattentektonische</a> Prozesse an die Erdoberfläche gehoben werden und werden so für Paläontologen überhaupt erst zugänglich. Da der Kalkstein härter und damit widerstandsfähiger gegenüber Verwitterung ist als das umgebende Sediment, bilden sie oft markante Strukturen. Solche Fossilkalke sind seit über 100 Jahren bekannt, aber erst durch die Entdeckung heutiger Methanquellen in der Tiefsee konnte ihre Entststehung richtig interpretiert werden. Heute sind Hunderte solcher Fundstellen bekannt, die geologisch bis in das <a href="Pal%C3%A4ozoikum" title="Paläozoikum">Paläozoikum</a> zurückreichen. Die älteste bisher bekannte fossile Methanquelle ist 425 Millionen Jahre alt und befindet sich in Marokko.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Quellen">Quellen</h2></div>
<p>Van Dover, C.L., 2000. The ecology of deep-sea hydrothermal vents. Princeton University Press, Princeton, 424 pp.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.vistaverde.de/news/Natur/0506/28_tiefsee.php">vistaverde.de: <i>Methanquellen vor Costa Rica</i></a></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.scinexx.de/index.php?cmd=focus_detail2&f_id=280&rang=11">scinexx.de: <i>Methan als Nahrungsquelle und Treibhausgas</i></a></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.ifm-geomar.de/index.php?id=2187">IFM-Geomar: <i>Methan-Oasen der Tiefsee ergründet</i></a></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.planeterde.de/internationales-jahr-des-planeten-erde/meteor-blog-m76-3b/meteor-expedition-m-76-3b">METEOR Expedition M76/3 GUINECO - MARUM Forschung zu Fluid- und Gasaustritten vor Westafrika, 17. Juli 2008 – 24. August 2008</a></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.youtube.com/watch?v=P-bSPdn0qWU">marumTV: <i>Kalte Quellen und Methanhydrate</i></a> (Video)</li></ul></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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